Mehr Studierende, härterer Wettbewerb, neue Herausforderungen in einer digitalen Gesellschaft

Die hessischen Hochschulen haben am Donnerstag in Wiesbaden ihre Erwartungen an die künftige Landesregierung formuliert. Die Vertreterinnen und Vertreter der Universitäten, der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sowie der Hochschule Geisenheim präsentierten ihre gemeinsamen Wahlprüfsteine, die unter anderem das nach allen Prognosen langfristig sehr hohe Niveau an Studierendenzahlen, den stetig härter werdenden Forschungswettbewerb sowie die kommenden Herausforderungen beim Hochschulbau und der Digitalisierung thematisieren. Die Fragen richten sich an alle Parteien, die im Herbst 2018 bei der hessischen Landtagswahl antreten. Die Vertreterinnen und Vertreter der Hochschulen betonten, sie seien der aktuellen Landesregierung dankbar für die Budgetsteigerungen im laufenden Hochschulpakt 2016-2020 und erwarteten von der künftigen Landesregierung weitere Anstrengungen, um die Innovations- und Zukunftsfähigkeit des Landes Hessen zu sichern.

"Wenn die Hochschulen - wie es der Wissenschaftsrat formuliert hat - das Organisationszentrum des Wissenschaftssystems sind, dann müssen sie sowohl über die entsprechende Autonomie als auch über eine angemessene Finanzierungsgrundlage verfügen", sagte Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Sprecher der Konferenz Hessischer Universitätspräsidien (KHU) und Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Die hessischen Hochschulen hätten ihre Autonomie bislang sehr verantwortungsvoll zum Wohle der Wissenschaft und der Gesellschaft genutzt. Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Sprecher der HAW Hessen und Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), erklärte: "Gerade wir Hochschulen sind wesentliche Motoren für gesellschaftliche Entwicklung und wirtschaftlichen Fortschritt, insbesondere durch unseren ausgesprochen erfolgreichen Wissens- und Technologietransfer."

Die Hochschulen sehen sich mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, bei denen sie auch in Zukunft auf die Unterstützung des Landes angewiesen sein werden. So seien die Studierendenzahlen zuletzt überproportional gestiegen. Eine Sicherung und Verbesserung der Qualität von Studium und Lehre sei ohne eine Verbesserung der Betreuungsrelation nicht möglich, betonen die Hochschulvertreterinnen und -vertreter. Auch der Bereich Forschung müsse gestärkt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit Hessens im nationalen und internationalen Rahmen weiter zu verbessern. Das gelte sowohl für die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften als auch für die Universitäten.

In den kommenden Jahren werden weitere erhebliche Investitionen in die technische und bauliche Infrastruktur nötig sein. Die voranschreitende Digitalisierung erfordere in den Hochschulen umfangreiche Anpassungen in allen Bereichen. "Kaum ein anderer gesellschaftlicher Akteur ist so umfassend von dieser Entwicklung betroffen", heißt es in den Wahlprüfsteinen. Um darüber hinaus den großen Bedarf im Bereich Neubauten zu decken und die besorgniserregenden Sanierungslücken zu schließen, sind die Hochschulen auf einen substantiellen Ausbau des HEUREKA-Programms II bis 2025/2026 sowie eine verlässliche Fortsetzung des bundesweit durchaus beachteten hessischen Bauinvestitionsprogramms als HEUREKA III angewiesen.

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